Octapharma Herne Texte

Word-Dokumente

Sonja Heyne – finales Original Word

Pressemitteilungen, Porträts und Geschichten aus Herne.

Texte

Sonja Heyne Patientinnenporträt

Textstand 2026-07-02

Fremdes Blutplasma sichert ihr Überleben

Sonja Heyne (45) hat kein funktionierendes Immunsystem - Unterstützung erhält es durch Antikörper aus Blutplasmaspenden

38 Jahre hat es gedauert, bis Sonja Heyne endlich ihre Diagnose in den Händen hielt. „Ich habe das Datum fest im Kopf, denn endlich wurden meine Symptome nicht mehr auf meine Psyche geschoben.“ Allerdings hat die Diagnose es in sich. Die 45-Jährige hat einen kombinierten Immundefekt (B- und T-Zelldefekt) sowie eine Leukopenie (zu wenig weiße Blutkörperchen im Blut) und eine Neutropenie (Blutungsneigung). Dies führt dazu, dass ihr Körper eine eigene Immunabwehr verhindert. Dringen Krankheitserreger in ihren Organismus ein, haben sie leichtes Spiel, denn ihr Körper bekämpft sie nicht oder nur unzureichend. Die Folge: Unzählige Krankenhausaufenthalte, nicht selten auf der Intensivstation. „Jeder Infekt konnte mein letzter sein“, sagt die toughe Frau, die alleine vier Kinder groß gezogen hat.

Seit ihr Arzt den Verdacht hatte, dass Sonja Heyne an einem Immundefekt leiden könnte, erhält sie eine Immunglobulin-Ersatztherapie, die ihren Gesundheitszustand tatsächlich stabilisieren konnte. Und die funktioniert so: Gesunde Menschen spenden Blutplasma – den flüssigen Bestandteil unseres Blutes. Darin enthalten sind lebenswichtige Nährstoffe, Hormone und mehr als 100 verschiedene Proteine, die für die Blutgerinnung und das Immunsystem zuständig sind. Immunglobuline sind Antikörper, die vom Immunsystem zur Abwehr von Krankheitserregern wie Bakterien, Viren und Toxinen gebildet werden. Da ihr Körper die nicht oder nicht ausreichend bilden kann, erhält Sonja Heyne sie durch die Spenden gesunder Menschen. „Jede Plasmaspende schenkt ca. drei Tage Leben“, sagt Thorsten Fischer, Regionalleiter bei Octapharma Plasma, dem Unternehmen, das das Plasmaspendezentrum in Oberhausen betreibt, in dem wir uns austauschen.

Früher bekam Sonja Heyne die Immunglobuline intravenös bei ihrem Arzt verabreicht. Aber das hat nicht gut geklappt: „Das hat immer wieder allergische Schocks bei mir ausgelöst“, erinnert sich die Dinslakenerin. Seit 2018 kann sie sich die Immunglobuline selbst zu Hause zuführen. Dazu muss sie sich diese mithilfe einer kleinen Pumpe in das Unterhautfettgewebe injizieren. Die Infusion dauert bei ihr zehn Stunden.

Dank der Immunglobulin-Therapie war die 45-Jährige in den vergangenen Jahren nur noch einmal auf der Intensivstation. Fieber ist dennoch an den meisten Tagen im Jahr ein steter Begleiter, manchmal „bis 41,9 Grad“, erzählt sie. Immer wieder litt sie unter starken Lungenentzündungen. Heyne wurde schon neun Mal im Bauchraum operiert und ebenso oft an den Augen. In der Vergangenheit hat der Immundefekt dazu geführt, dass Ärzte die Situation ihrer Patientin falsch einschätzten. So steigen in Heynes Blut die Entzündungswerte nicht an. Eine Blinddarmreizung wurde deshalb so spät erkannt, dass der Durchbruch kurz bevor stand. „Mein Körper ist stark geschwächt und extrem anfällig für sämtliche Erkrankungen“, sagt die 45-Jährige, die täglich Antibiotika nehmen muss. Ihre Infektanfälligkeit führte auch zum sozialen Rückzug, die Angst, sich anzustecken, war zu groß. Die Therapie macht sie zwar nicht gesund, aber verbessert ihre Lebensqualität, stellt auch ihr Sohn Fynn (20) fest: „Sie geht wieder angstfreier nach draußen.“ Die Sorge um seine Mutter ist für ihn zum „Normalzustand“ geworden, „sie ist oft lange im Krankenhaus“. Geholfen habe ihm und seinen Brüdern, dass sie immer transparent mit ihrer Erkrankung umgegangen sei. „Ich wollte meinen Kindern nie das Gefühl geben, etwas zu verschweigen“, sagt Sonja Heyne.

Fynn spendet selbst regelmäßig Blutplasma. Darauf gekommen ist er durch die Erkrankung seiner Mutter. Er fühlt sich gut beim Pieks, denn er weiß, dass er kranken Menschen damit hilft. Eingesetzt werden Blutplasmaspenden übrigens nicht nur bei Störungen des Immunsystems, sondern auch bei chronischen Störungen der Blutgerinnung oder Wundheilung sowie bei schweren Verbrennungen oder hohem Blutverlust, beispielsweise nach einem Unfall. Fynn freut sich als Auszubildender auch über die Aufwandsentschädigung, die je nach Spendenmenge zwischen 22 und 25 Euro beträgt. Anders als Vollblut kann Plasma bis zu 60 Mal pro Jahr gespendet werden.

Fynn liegt auf einer der vielen Liegen im Spendezentrum der Plasmaspende Oberhausen. Ähnlich wie bei einer Vollblutspende fließt sein Blut über eine Nadel ab - allerdings nicht in einen Beutel, sondern in ein Plasmapheresegerät. Darin trennt eine Zentrifuge das Plasma von den festen Bestandteilen des Blutes und führt die Blutzellen zurück in den Körper. Nur das Plasma landet als gelbe Flüssigkeit in einer Flasche. Fynn ist entspannt, nimmt sein Handy in die Hand. Er nutzt die circa 45-minütige Prozedur als zwangsläufige Phase der Entspannung.

Vorher musste der 20-Jährige einen standardisierten Prozess durchlaufen, denn Sicherheit hat oberste Priorität - sowohl für die Spender wie auch die Empfänger. Von der Anmeldung geht es zum Ausfüllen eines digitalen Gesundheitsfragebogens, zum Gesundheitscheck und Arztgespräch, bevor die Spende abgenommen wird. Im Anschluss steht eine kurze Erholungsphase auf dem Programm, danach wird die Aufwandsentschädigung ausgezahlt.

Angesprochen auf Risiken, sagt Thorsten Fischer: „Es gibt in sehr seltenen Fällen Nebenwirkungen wie zum Beispiel Kreislaufprobleme. Im Gegenzug sind aber auch positive Effekte bekannt, beispielsweise kann der Blutdruck durch regelmäßige Plasmaspenden dauerhaft sinken.“ Im Arztgespräch wird eruiert, ob der Spender Vorerkrankungen oder akute Infekte hat, die eine Spende ausschließen. Auch eine gerade erhaltene Impfung, ein Aufenthalt in bestimmten Ländern oder eine neue Tätowierung können zeitweise Ausschlusskriterien sein.

„Der Bedarf an Blutplasma steigt“, sagt Thorsten Fischer. Die Medizin habe in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht, mehr Erkrankungen würden diagnostiziert und entsprechend behandelt. Dem gegenüber stehe eine ungefähr gleichbleibende Spendenbereitschaft. „Blutplasma bleibt knapp“, konstatiert der Regionalleiter. „Da Blut und Plasma nicht künstlich hergestellt werden können, bleiben Blut- und Plasmaspenden für die moderne Medizin auch in Zukunft lebenswichtig.“

Octapharma Plasma ist eines von vier Unternehmen neben dem Deutschen Roten Kreuz und verschiedenen Krankenhauszentren, die Plasma-Spendezentren in Deutschland betreiben. Octapharma Plasma ist eine 100%-ige Tochter der Schweizer Octapharma AG, die sich auf die Herstellung von Humanprotein-Produkten spezialisiert hat - und, auch das gehört zur Wahrheit dazu, damit ihr Geld verdient. Die Octapharma Plasma GmbH mit Hauptsitz in Langenfeld betreibt 21 Spendezentren in Deutschland. Gemeinsam mit ihren Spendern trägt sie seit mehr als 20 Jahren dazu bei, Deutschland und Europa mit Plasmaprodukten zu versorgen. So können viele Krankheiten behandelt, Organtransplantationen durchgeführt und Unfallopfer gerettet werden. Für Sonja Heyne bedeutet das konkret: Eine längere Lebensdauer mit mehr Lebensqualität.